Geschrieben von am 31 Oktober 2013 in Allgemein | 14 Kommentare

Wenn ich mit Kunden über Social Media Aktivitäten spreche, höre ich häufig das Argument, dass dafür keine Zeit sei. Deshalb möchte ich ein Beispiel vorstellen, bei dem ein junger Mann mit seinem Online-Projekt in nur zwei Jahren eine starke Aufmerksamkeit und wie er sagt, auch finanziellen Erfolg erlangt hat. Interessanterweise ist ihm das neben seinem Vollzeitjob und dem Leben als Familienvater mit inzwischen zwei kleinen Kindern gelungen. Das Argument „keine Zeit“ akzeptiere ich ab sofort also nicht mehr, lediglich die Aussage „keinen Plan“ zu haben.
 

Keine Zeit – was wirklich dahinter steckt

 
Hinter dem Argument „keine Zeit“ stecken vor allem Vorbehalte wie das Misstrauen gegenüber Social-Media-Kanälen, ob sie überhaupt sinnvoll und nicht nur Spielerei seien. Viele Beispiele aus der Praxis zeigen, dass das nicht stimmt, sofern man strategisch agiert. Eines davon möchte ich heute vorstellen und etwas genauer beleuchten. Es geht um das Projekt „Français Authentique“, ein Angebot, seine Sprachkenntnisse in Französisch zu verbessern.
 

Das Projekt „Français Authentique“

 
Ich habe den Podcast von „Français Authentique“ über eine Suche bei iTunes gefunden. Viele Sprachlernangebote sind dort nicht besonders hilfreich. Bei diesem Podcast war es anders. Der Sprecher ist gut zu verstehen, es macht Spaß ihm zuzuhören und die Inhalte sind interessant. Was macht Johan, so heißt der Macher von Français Authentique, also anders, wenn er typische französische Redewendungen auf französisch erklärt?

  • Der Nutzer erfährt klar, was er erwarten kann:
  • Apprenez à parler français de façon automatique et sans effort avec Français Authentique

    Übersetzt heißt das „mit dem Projekt Français Authentique automatisch und ohne Mühe französisch sprechen zu lernen“ und das mit einem Muttersprachler. Das kommt zweifellos vielen Lernenden entgegen.

  • Es wird erklärt, wie die Erwartung erfüllt wird:
  • „Hören Sie mehrmals den Podcast an, sprechen Sie mir bei den Übungen nach. Es hilft, einem Muttersprachler zuzuhören und seine eigenen Sprechwerkzeuge zu trainieren.“

  • Das Angebot ist authentisch:
  • Johan spricht aus eigener Erfahrung. Als studierter und festangestellter Ingenieur ist er für sein Unternehmen zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern unterwegs. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er von Spracherwerb spricht. Auf seinen Arbeitswegen mit dem Auto nimmt er die Podcasts auf. Man hört im Hintergrund den Motor, das Blinken, manchmal Sirenen. Das stört nicht, denn das schafft eher Nähe. Man hat das Gefühl, dabei zu sein.

Auf diesen Wegen wurde das Projekt online bekannt gemacht

 
Social Media Aktivitäten:

  • Seit April 2011 gibt es einen YouTube-Kanal mit aktuell 42 Videos, der inzwischen 11.772 Abonnenten und fast 1,5 Mio Abrufe hat.
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  • Ebenfalls seit April 2011 existiert die Facebook-Seite, die aktuell mehr als 75.000 Fans hat. Die Anzahl der Fans nimmt ständig zu. Jeder Post hat mindestens eine zweistellige Anzahl an Kommentaren und oft dreistellige Likes. In jedem Podcast gibt es die Aufforderung, seine Erfahrungen mit der Community auf Facebook zu teilen. Das wird von den Nutzern angenommen.
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  • Einen Twitter-Account mit wenig mehr als 400 Tweets und knapp 1000 Followern betreibt er seit September 2011.
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  • Außerdem schreibt Johan seit April 2012 einen WordPress-Blog als Webseite, wo alle Kanäle zusammenlaufen. Das Design ist kein Traum, aber man findet alles, was man braucht relativ schnell.
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  • Der erste Podcast stammt von Mai 2012, abonnierbar über die Webseite oder iTunes mit aktuell 74 Beiträgen, die man sich kostenfrei anhören kann, jedoch gibt es keine Bewertungen. Es ist nicht ersichtlich, wie viele Nutzer den Podcast abonniert haben.
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  • Es gibt ein Google+ Konto mit wenigen Beiträgen seit Mai 2013.

 

Produkte 

  • Gratis ist das Einsteiger-Angebot mit den 7 Grundregeln, wie man mühelos und automatisch, also dem grundlegenden Konzept des Projektes folgend, Französisch lernen kann.
  • Es gibt ein kostengünstiges E-Book/Audio-Book zur vertiefenden Übung.
  • Auf der Webseite werden zwei kostenpflichtige Service-Packs an, die man einzeln oder im Paket kaufen kann. Darin gibt es weitere ausführliche Übungen, die in Audiodateien und in Form von PDFs zur Verfügung gestellt werden. Käufer dieser Pakete erhalten das E-Book/Audio-Book als Geschenk dazu.

 
Eindeutige Aufforderungen an die Nutzer 
Auf der Webseite gibt es eine klare Benutzerführung. Auf der Startseite und jeder Unterseite stehen die vier Etappen, wie Nutzer ihr Französisch verbessern können, deutlich sichtbar auf der rechten Seite:

  • 1.Per E-Mail und dem Herkunftsland registrieren und kostenfrei die 7 Regeln der Sprachschule erhalten.
  • 2. Den Podcast hören und abonnieren.
  • 3. Die Service-Packs entdecken, (nicht kaufen!)
  • 4. Mit der Sprachgemeinschaft über die Social Media Kanäle in Verbindung bleiben.

 

Was macht das Projekt erfolgreich?

 
Leidenschaft
Zuallererst lernen wir, dass Johan ganz offensichtlich Spaß daran hat, anderen seine Muttersprache zu erklären. Gleichzeitig beflügeln ihn die positiven Rückmeldungen auf sein Angebot.
 
Authentizität
Man hat immer mehr das Gefühl ihn zu kennen. Denn er spricht über seine Familie, seine Reisen und Erlebnisse. Es ist lustig, ihm zuzuhören. Und Seine Zuhörer spricht er als Freunde an, als Angehörige der Familie oder Communitiy von „Français Authentique“.
 
Klarheit
Es gib eine klare, immer wiederkehrende Aussage, nämlich, dass man mit dem Angebot leicht und mühelos französisch lernen kann. Ebenso klar ist die Zielgruppe: Menschen, die Lust darauf haben, ihr Französisch zu verbessern.
 
Kundenbindung
Die Nutzer haben bei ihm das Gefühl, absolut ernst genommen zu werden und im Mittelpunkt zu stehen. Erwartungen der Nutzer werden erfüllt. Er bedankt sich für die Rückmeldungen von seinen Nutzern und postet auch deren Hinweise auf Facebook.
 
Routinen
Johan hat Routinen. Er steht 5 Uhr morgens auf, um vor der Arbeit an seinem Projekt Francais Authentique zu arbeiten. Nach eigener Aussage ist er ein großer Anhänger des Buches „Getting things done“. Er nutzt die Autofahrten (temps morts), um die Podcasts mit seinem Smartphone aufzunehmen.
 
Regelmäßigkeit
Er veröffentlicht regelmäßig Videos und vor allem Podcasts. Neue Beiträge werden auf der Webseite und bei Facebook angekündigt. In allen Beiträgen werden die Nutzer auf die Webseite hingewiesen und aufgefordert, Facebook zu nutzen, um sich mit der Community auszutauschen.
 
Fokus
Die „Zentrale“ des Projektes ist die Webseite, über die er seine Produkte verkauft. Nach seinen Aussagen läuft der Verkauf gut. Alle anderen Kanäle verweisen auf die Webseite.
 
Freemium
Er weist immer auf seine käuflichen Produkte an. Im Mittelpunkt steht jedoch der frei zugängliche Podcast sowie die Community auf Facebook.. Er baut einen Stufenprozess auf: Nutzer werden zuerst aufgefordert, sich mit ihrer E-Mail-Adresse einzuschreiben und dafür kostenfrei die „7 Regeln der Sprachschule“ zu erhalten, die Grundlage des gesamten Projektes sind. Damit baut er gleichzeitig eine eigene Kundenliste auf, über die er verfügt und die nicht bei dem Anbieter eines sozialen Netzwerkes liegt. Das ist es auch, was Markus Cerenak als zentrales Element für den Aufbau eines erfolgreichen Blogs nennt, nämlich eigene Kontakte per E-Mail-Liste aufzubauen. Die nächsten Schritte des Stufenprozesses sind, die Podcasts zu abonnieren und sich dann über Social Media zu vernetzen.
 
Testen
Johan hat verschiedene Social Media Kanäle ausprobiert. Sein wichtigster Kanal ist der Podcast, gefolgt von Facebook und YouTube. In der Reihenfolge werden auch die Kanäle bestückt und sie verweisen immer wieder auf die „Zentrale“, die eigene Webseite.

 
Lassen Sie sich gern inspirieren und testen Sie diese Erfahrungen mit dem eigenen Webprojekt!