Geschrieben von am 25 September 2013 in mrs. mo's Meckerecke | 2 Kommentare

„Bitte lassen Sie mir zeitnah eine Antwort zukommen!“

„Wir benötigen einen neuen Termin, möglichst zeitnah.“

Wenn ich das Wort „zeitnah“ höre, naht meine Zeit: Wie ein Ball könnte ich vor Ärger auf und nieder hüpfen!

„Zeitnah“ – was soll das bitte bedeuten? Entfernt man sich denn jemals von der Zeit? Sie klebt einem doch ständig an den Fersen, nein sie schleift einen vielmehr hinter sich her! Bei mir ist es jedenfalls so, dass die Zeit immer viel schneller vergeht als ich hinterherkomme.
 

Ich würde sie gern einmal einfach anhalten.

 
Jetzt, später, oder nie. Kluge Menschen beschreiben die Zeit als unumkehrbaren Fluss von der Vergangenheit zur Gegenwart in die Zukunft. Das Jetzt, das wir als Gegenwart wahrnehmen, dauert gerade einmal drei (3!) Sekunden, haben Psychologen festgestellt. Heißt dann „zeitnah“, dass ich in drei Sekunden das gewünschte Ergebnis zu liefern habe, weil dann die Zukunft schon wieder anfängt? Den nächsten Termin in drei Sekunden, aber dalli?! Hallo?! Geht’s noch?!
 

Holt doch alle einmal „zeitnah“ Luft!

 
Zeit ist das, wovon wir alle zu wenig haben. Zeit ist dehnbar. Haben wir viel Zeit, brauchen wir mehr davon, um die gleichen Dinge zu tun, die wir unter Zeitdruck in kürzester Zeit erledigen können. Keine Zeit, keine Zeit und schon rennen sie wieder an mir vorbei, rempeln mich an, dass ich loskullere, verbreiten eine Hektik, dass mir schlecht wird. Und wofür? Damit sie „zeitnah“ ihren Zug bekommen oder „zeitnah“ ihren Chefs etwas rapporten können oder „zeitnah“ das Kind abholen und so weiter.

Meine Form wird „zeitnah“ praller, wenn ich das Wort schon höre. Deshalb meine Bitte für einen menschlicheren Umgang miteinander: Sagt doch bitte einfach, bis wann Ihr was haben wollt. Damit tut Ihr nicht nur Euch, sondern auch Eurer Umwelt zeitnah, äh sofort, einen großen Gefallen.