Geschrieben von am 24 September 2013 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Verlage stecken mit ihrem klassischen Angebot an Printprodukten in der Krise. Leser wandern ab und mit ihnen die Werbekunden. Vor allem die lokalen Medien sind davon betroffen: Redaktionen werden merklich ausgedünnt, das Personalkarussel dreht sich immer schneller und manche Redaktionen schließen sogar ganz. Klassische Pressearbeit funktioniert so nur noch bedingt. Denn wie sollen bei den Voraussetzungen gute Pressekontakte aufgebaut werden? Und ist diese Pressearbeit überhaupt noch sinnvoll, wenn man damit nicht mehr das richtige Publikum erreicht? Eine Alternative könnten lokale digitale Angebote sein.
 

Der Bedarf an guten journalistischen Angeboten ist da

 
Bundesweit entstehen lokale Blogs und ganze Online-Zeitungen. Denn der Bedarf an gutem Journalismus ist da. Die im lokalen Bereich verbreiteten Anzeigenzeitungen können ihn bei weitem nicht decken. Mit dem digitalen Angebot ändert sich also lediglich die Form, in der dem Nutzer die Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Dass das funktioniert, belegen auch die aktuellen Zahlen zur Internetnutzung. In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 wurde ermittelt, dass vor allem die Altersgruppe 70+ für den größten Zuwachs bei der Internetnutzung sorgte. Die mobile Nutzung des Internets hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt. Das durchdringt also zunehmend sämtliche Altersgruppen.
 

Gründungen von professionellen Journalisten

 
Die digitalen Lokal-Blogs und -Zeitungen werden in der Regel von professionellen Journalisten gegründet, die zuvor für Lokalzeitungen tätig waren. Sie füllen „…eine thematische oder geografische Lücke (…) – das ist für die meisten Lokaljournalisten die Motivation, im Netz ein eigenes Angebot zu schaffen.“, schreibt Julian Heck im E-Book, das auf der Tagung „Besser Online“ des DJV im September 2013 entstanden ist.
 

News – unabhängig von großen Verlagshäusern

 
Dabei agieren sie selbständig und unabhängig von großen Verlagshäusern.
Ihre Nutzung ist für die Leser kostenfrei. Sie finanzieren sich über Bannerwerbung, Partnerprogramme und lokale Förderer. Es haben sich Netzwerke wie die Istlokal Medienservice UG oder die Mitteldeutsche Online Ltd. gebildet, die versuchen, die verschiedenen Angebote zu bündeln, einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und Neugründungen zu fördern. Dabei haben sie einen ganz eigenen Anspruch:

Bei Istlokal heißt es:

„Wir sind kein Verlag und kein starrer Dachverband, sondern unabhängig arbeitende „Keimzellen“ für mehr tiefgründigen und ehrlichen Journalismus, der dort entsteht, wo die Menschen leben – lokal.
Wir halten unabhängigen Journalismus für unverzichtbar zur Förderung notwendiger gesellschaftlicher Debatten.“

 

Lokale digitale Angebote vernetzen sich

 
Einige der Netzwerkpartner, wie das-ist-rostock.de und prenzlauer-berg-nachrichten.de sind recht erfolgreich. Letztere schreiben, dass ihre Webseiten jeden Monat von bis zu 50.000 Lesern besucht werden. Das ist beachtlich für einen einzelnen Kreis innerhalb eines Bezirkes von Berlin. Ihr Anspruch ist es „…redaktionell unabhängig von Politik und Wirtschaft zu bleiben.“ Die Gründerin und Redaktionsleiterin von das-ist-rostock.de, Renate Gundlach, gibt sogar an der Berliner Journalistenschule ein Seminar zum Geschäftsmodell Internet-Zeitung.

Hinter den Netzwerken steckt gleichfalls die Idee der gemeinsamen Vermarktung. Die Mitteldeutsche Online-Medien Ltd, die auch die Leipziger Internetzeitung betreibt, schreibt auf ihrer Webseite:

„Seit 2011 ist es auch in den alternativen Medien keine Illusion mehr, die Bundes-Ländergrenzen zwischen Menschen zu überwinden. Da unsere Themen und Fragen oft ähnlich, die Lösungen oft unterschiedlich sind, haben wir also mit Zeitungen in Jena, Halle, Berlin, Dresden und Rostock Kooperationen geschlossen. (…) Damit erreichen wir gemeinsam bereits seit Januar 2013 rund 700.000 verschiedene Leser bei rund 2,3 Millionen Besuchen und 2,8 Millionen Seitenaufrufen…“

Sie arbeiten mit www.jenapolis.de, www.prenzlauerberg-nachrichten.de, www.sz-online.de, www.das-ist-rostock.de sowie www.hallelife.de zusammen.

 

Liegt die Zukunft der lokalen Zeitung also im Digitalen?

 
Das sieht im Moment so aus. Allein ihren Anspruch, unabhängigen Journalismus zu machen, finde ich unterstützenswert. Für die Pressearbeit heißt das, sie wird kleinteiliger, was sie jedoch durch die Social Media Welt bereits ist. Es bedeutet aber nicht, dass sie dadurch weniger sinnvoll wird. Im Alltag müssen einzelne Themen stärker auf die Bedürfnisse einzelner Medien zugeschnitten werden. Das ist aufwändiger, kann aber auch zielführender sein, wenn man damit die richtigen Leute erreicht. Sicher sind die lokalen digitalen Medien nicht für alle Themen geeignet. Aber es lassen sich zuverlässige Beziehungen aufbauen. Und das nützt letztlich auch den mutigen Neugründungen im journalistischen Bereich.

 

Streit um Huffington Post in Deutschland

 
Für Aufregung sorgte in letzter Zeit ein anderes digitales Angebot, das in den USA und einigen europäischen Ländern bereits erfolgreich funktioniert: Die Huffington Post. Benannt nach ihrer Gründerin, Arianna Huffington, soll dieses Modell eines erfolgreichen Nachrichtenportals nun ab dem 10. Oktober 2013 in Deutschland aufgebaut werden. Die deutsche Variante ist unter dem Dach der Tomorrow Focus Media GmbH angesiedelt. Neben einer kleinen Redaktion sollen den Input Nachrichtenagenturen und vor allem freie Blogger liefern. Sie wurden deshalb in den letzten Wochen zahlreich angefragt, ob sie dazu bereit wären, kostenlos Texte zu liefern.
 

Am Bezahlmodell scheiden sich die Geister

 
Und genau bei diesem Ansinnen scheiden sich die Geister: Für diejenigen, die vom Schreiben leben wollen, ist das eine Zumutung. Für Blogger, die schreiben, um in ihrem Bereich bekannter zu werden, ist es ein tolles Angebot. Die taz hat in einem Artikel die Auseinandersetzung sehr schön skizziert. Für die PR spielt diese Auseinandersetzung keine so große Rolle, ist das doch eine Frage der Einstellung und nicht der Qualität. Man könnte sogar unterstellen, dass unbezahlte Texte eher die unabhängige Meinungsbildung fördern. Die Huffington Post als Projekt könnte ein wichtiger neuer Kanal für die Pressearbeit werden und zwar lokal und überregional. Für die lokalen journalistischen Gründungen könnte die Huffington Post in Deutschland ein Gewinn sein, um auch überregional bekannter zu werden.